Unternehmensgründung in Italien

Interview

Interview mit RA Roberto Nicolini, einem deutschsprachigen Rechtsanwalt aus Verona, der sich auf italienisches Unternehmens- und Gesellschaftsrecht spezialisiert hat.

Unternehmen, die eine Niederlassung in Italien gründen möchten, müssen sich zuerst über die Gesellschaftsformen und die wichtigsten Aspekten des italienischen Rechts gründlich informieren. In diesem Interview, Roberto Nicolini, Fachanwalt für italienisches Gesellschaftsrecht, erläutert die Prozedur und die Kernaspekten der Gründung einer Niederlassung in Italien.

1- Herr Nicolini, welche Gesellschaftsformen stehen einem deutschen Unternehmen bei der Gründung einer Niederlassung in Italien zur Verfügung?

Grundsätzlich existieren in Italien die gleichen Gesellschaftsformen wie in Deutschland und zwar vor allem die Società in nome collettivo (abgekürzt „s.n.c.“), welche der deutschen ohG entspricht und die società in accomandita, (Kommanditgesellschaft) welche entweder die Form einer Personengesellschaft, (abgekürzt „s.a.s.“) oder dieniger einer Kapitalgesellschaft (abgekürzt „s.a.p.a.“) nimmt. In Italien werden aber die meisten Gesellschaften als Società a responsabilità limitata (abgekürzt „ s.r.l.“) oder als Società per Azioni (abgekürzt s.p.a) gegründet, welche jeweils der deutschen G.m.b.H und A.G. entsprechen. Seit August dieses Jahres wurde aber eine neue vereinfachte G.m.b.H in dem italienischen Rechtssystem eingeführt: wenn die Gesellschafter jünger als 35 Jahre sind, können sie gewisse Vorteile geniessen. Zum Beispiel darf das Stammkapital der „vereinfachten“ G.m.b.H. auch nur ein Euro betragen! Nach dem Gesetz 134/2012 ist ferner für die über 35jährigen auch möglich, eine GmbH „mit eingeschränktem Stammkapital“ (d.h. unter 10.000,00 Euro) zu gründen.

2- Worauf muss ein deutsches Unternehmen bei der Wahl der Gesellschaftsform aus Ihrer Sicht achten?

Normalerweise wird immer die Form der Kapitalgesellschaft ausgewählt werden, weil somit die persönliche Haftung der Gesellschafter eingeschränkt wird. Die neueste Formen der italienischen GmbH bieten heute eine bedeutende Flexibilität an und sind auch für Startups sehr geeignet. Wie in anderen europäischen Ländern ist dagegen auch in Italien die Form der AG bei unternehmerischen Initiativer von Bedeutung als geboten zu betrachten.

3- Welche Offenlegungspflichten (Publizitätspflichten) gelten in Italien bei der Gründung einer Niederlassung?

Seit 1992 existiert das italienische Handelsregister; ins Handelsregister werden sämtliche das Leben einer Gesellschaft betreffenden Ereignisse veröffentlicht werden. Es ist ohne Probleme möglich, online alle Informationen zu erhalten.

4- Ist eine notarielle Beglaubigung der Satzung der Gesellschaft erforderlich?>

Auch bei den neuen Gesellschaftsformen, die ich oben erwähnt habe, ist immer die notarielle Beglaubigung notwendig

5- Oft wird es im Ausland behauptet, Italien sei ein „Bürokratie-Monster“. Allerdings hatte der neue Regierungschef Monti mehrmals angekündigt, die bürokratische Hemmnisse für ausländische Investoren in Italien abbauen zu wollen. Was wurde bislang dafür getan?

Außer der neuen vereinfachten Formen einer G.m.b.H. hat sich die Regierung tatsächlich bemüht, die Formalitäten zum start-ups eines neuen Unternehmens zu vereinfachen. Vieles wurde bereits geschafft, weitere Initiativen sind noch im Gange: mit dem Gesetz 35/2012 wurde zum Beispiel nur eine Umweltschutzgenehmigung vorgesehen, („autorizzazione unica ambientale) welche mehrere komplizierte vorherige Lizenzen und Genehmigungen ersetzten wird.

6- Was bietet Ihre Kanzlei?

Der größte Teil unseres Teams beherrscht nicht nur italienisch, sondern auch fließend englisch und deutsch, und beschäftigt sich (auch mit besonderem Bezug auf die transnationale Tätigkeit) mit den verschiedenen unternehmerischen Interessensbereichen; darunter das Gesellschaftsrecht, inbegriffen Akquisitionen und Fusionen, Gründungen neuer Gesellschaften, die Vertragsgestaltung (inbegriffen Lieferverträge, Vertriebs- und Franchising, Handelsvertreter-, sowie Beförderungsverträge), die Fragen bezüglich des Immobilienrechts, Schiedsverfahrens, Insolvenzverfahrens und sonstiger Konkursverfahren.
Dies hat dazu geführt, dass die Kanzlei vielen der größten ausländischen auf diesem Gebiet tätigen Unternehmen sowie wichtigen italienischen Unternehmen bei ihrem Start außerhalb Italiens oder auch bei Streitfällen im Ausland Hilfe leistet.

Vielen Dank für das Interview!

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